Die Anleitung daneben zeigt, wie du eine Aktie einordnest. Hier geht es um die Stufe darüber: wie aus einzelnen Unternehmen ein Depot mit einer erkennbaren Struktur wird. Wir gehen den Weg einmal komplett durch — am Beispiel eines defensiven Dividenden-Depots aus fünf Positionen. Rechne mit zwei bis drei Stunden, verteilt über ein paar Abende.
Dieses Tutorial nennt dir keine Aktien, die du kaufen sollst. Es zeigt dir, wie du selbst zu deiner Auswahl kommst und wie du prüfst, ob das Ergebnis zu dem passt, was du eigentlich wolltest.
Alle genannten Unternehmen sind Anschauungsobjekte, um eine Funktion zu zeigen — keine Empfehlung. Die Zahlen im Text sind Beispielwerte, keine aktuellen Kurse.
MoatLens ist ein Analyse- und Lernwerkzeug, keine Anlageberatung. Was du am Ende kaufst, ist deine Entscheidung und dein Risiko.
Der Depot-Check in MoatLens vergleicht deine Struktur mit fünf gängigen Modellen. Sie sind keine Rangliste — keins ist besser als die anderen. Sie unterscheiden sich darin, was sie in den Vordergrund stellen und was sie dafür in Kauf nehmen. Wenn du vorher weißt, welches du anstrebst, hast du ein Ziel, an dem du deine Auswahl messen kannst. Ohne dieses Ziel entsteht kein Depot, sondern eine Sammlung.
Wenige, herausragende Unternehmen mit dauerhaftem Wettbewerbsvorteil, lange gehalten. Nimmt bewusst weniger Streuung in Kauf.
Du willst wenige Firmen wirklich verstehen und jahrelang halten.
Bewertungsdisziplin, Bilanzstärke, Risikobegrenzung. Sicherheit vor Rendite.
Dich stören Rückschläge mehr, als dich entgangene Gewinne ärgern.
Planbares Einkommen aus überwiegend defensiven Zahlern mit gesunden Ausschüttungsquoten.
Du willst laufende Erträge und ruhig schlafen. Das bauen wir hier.
Breit über Sektoren gestreut, keine Wette auf eine Richtung.
Du traust dir keine Sektorwette zu — eine ehrliche und oft kluge Haltung.
Wachstumsstarke Firmen, höhere Bewertung, mehr Schwankung.
Du hast einen langen Zeithorizont und hältst Kursstürze aus.
Der Depot-Check sagt dir später, welchem Modell deine tatsächliche Struktur am nächsten kommt. Der interessante Moment ist der, in dem beides auseinanderfällt: Du wolltest defensiv und bekommst „offensiv“ angezeigt. Dann hast du etwas gelernt.
Ein Satz auf Papier oder im Notizzettel. Für unser Beispiel-Depot:
Fünf Positionen. Überwiegend defensive Sektoren. Alle zahlen eine Dividende, die aus dem operativen Geschäft gedeckt ist. Kein Sektor über 40 %, keine Einzelposition über 25 %. Mischung USA und Europa. Alles Large Cap.
Das klingt bürokratisch und ist der wichtigste Schritt des ganzen Tutorials. Diese fünf Zeilen sind später dein Maßstab — sowohl bei der Auswahl als auch beim Gegenprüfen. Ohne sie entscheidest du bei jeder Aktie neu und nach Gefühl.
Der Reflex ist, die drei Firmen einzutippen, die einem gerade einfallen. Genau das erzeugt aber ein Depot, das aussieht wie deine Erinnerung an die letzten Nachrichten. Nimm stattdessen den Aktienfinder und lass dir Kandidaten zeigen, die deinen Kriterien entsprechen.
Öffne Entdecken und stelle ein: Branche = Basiskonsum (danach in einem zweiten Durchgang Gesundheit, dann Versorger), Land = USA beziehungsweise Europa, Größe = Large Cap, Dividende = ja.
Setz zunächst zehn bis fünfzehn Namen auf eine Watchlist, die du „Kandidaten“ nennst. Aussortiert wird im nächsten Schritt anhand von Zahlen, nicht anhand des Namens.
Damit du wirklich vergleichst. Eine einzelne Aktie kann man nicht beurteilen — man kann sie nur mit Alternativen vergleichen.
Immer dieselbe Reihenfolge, immer dieselben Fragen. Wer bei jeder Firma andere Kriterien anlegt, findet am Ende bei jeder Firma einen Grund, sie zu kaufen.
Nicht nur die Zahl. Öffne die Faktoren und schau, woran es liegt. Ein Score von 6,2 mit schwacher Bilanz ist etwas anderes als 6,2 mit schwachem Wachstum.
Steigt der Umsatz? Hält die Marge? Eine Firma mit stabiler Marge über zehn Jahre hat etwas, das Wettbewerber nicht einfach kopieren.
Die Zahl, die sich am schwersten schönrechnen lässt. Wenn der Gewinn steigt, der freie Cashflow aber nicht, willst du wissen, warum.
Für ein Dividenden-Depot der Kernpunkt. Wird die Ausschüttung aus dem laufenden Geschäft bezahlt oder aus der Substanz? MoatLens zeigt dir Historie und Ausschüttung — eine Dividende, die aus Schulden finanziert wird, ist keine Einnahme, sondern eine Rückzahlung deines eigenen Geldes.
Hohe Schulden sind der häufigste Grund, warum eigentlich gute Firmen in Schieflage geraten. Besonders relevant bei Versorgern, die naturgemäß mehr Fremdkapital einsetzen.
Sinkt die Aktienanzahl über die Jahre, wächst dein Anteil ohne dein Zutun. Steigt sie, wirst du verwässert — dann muss das Geschäft erst wachsen, damit du auf der Stelle stehst.
Was durchfällt, fällt durch. Es ist völlig in Ordnung, aus fünfzehn Kandidaten nur drei zu behalten und für die restlichen zwei Plätze neu zu suchen. Der teuerste Fehler an dieser Stelle ist, eine Firma zu nehmen, weil man schon so viel Zeit mit ihr verbracht hat.
Für jede Position, die es ins Depot schafft, legst du im Investment-Journal einen Eintrag an. Drei Sätze reichen:
Der dritte Satz ist der wertvollste. Er ist der Unterschied zwischen einer Entscheidung und einer Überzeugung, die man nie wieder hinterfragt. In zwei Jahren liest du nach, ob dein Grund noch trägt — und merkst schnell, ob du damals etwas verstanden oder nur gehofft hast.
Jetzt trägst du die Anteile ein. Für unser Beispiel mit fünf Positionen und der Regel „keine über 25 %“:
Gleichgewichtung (5 × 20 %) ist ebenfalls eine saubere Lösung und hat den Vorteil, dass sie keine Scheingenauigkeit vortäuscht. Wichtiger als die exakten Prozente ist, dass du sie bewusst gesetzt hast und begründen kannst.
Jetzt kommt der Moment, für den das ganze Tutorial gebaut ist. Öffne den Depot-Check und lies drei Dinge:
„Dein Depot ist defensiv ausgerichtet und ähnelt in seiner Struktur am stärksten einem Dividenden- & Cashflow-Depot.“ — Wenn dort etwas anderes steht als das, was du in Schritt 2 aufgeschrieben hast, hast du dich unterwegs von deinem Plan entfernt. Das ist kein Fehler, sondern die nützlichste Rückmeldung der ganzen App.
Defensiv, Qualität, Wachstum, Dividende, Zyklisch. Für unser Ziel sollten Defensiv und Dividende deutlich ausgeprägt sein, Zyklisch niedrig. Tippe jede Achse an, wenn du wissen willst, wie sie zustande kommt.
Sektoren, Regionen, Größe — und die Hinweise darunter: Sektorkonzentration, Anteil ohne Dividende, größte Einzelposition. Das sind genau die drei Fehler, die man beim ersten eigenen Depot macht.
Du hast mehr Industrie, Finanzen, Rohstoffe, Energie oder Immobilien drin, als du dachtest. Tausche eine Position gegen einen defensiven Sektor — oder akzeptiere bewusst, dass du doch ein Allwetter-Depot willst.
Zwei Positionen aus demselben Sektor. Die schwächere fliegt raus und wird durch einen Kandidaten aus einem anderen defensiven Sektor ersetzt.
Der durchschnittliche Score zieht nach unten. Meist liegt es an einer Position, die man aus einem anderen Grund als den Zahlen ins Depot geholt hat. Genau die schaust du dir noch einmal an.
Dann lass es liegen. Die häufigste Ursache für schlechte Ergebnisse ist nicht die falsche Auswahl, sondern zu viel Umschichten danach.
Ein gutes Depot ist keins, das gerade gut aussieht. Es ist eins, bei dem du zu jeder Position in einem Satz sagen kannst, warum sie drin ist — und bei dem die Struktur zu dem passt, was du dir vorgenommen hattest. Alles andere ist Sammeln.