← Zurück 2026-07-30

Warum wir dir keinen Wert mehr vorgeben — und dich stattdessen selbst rechnen lassen

Es gab eine Zeit, da zeigte MoatLens eine Zahl: einen berechneten Wert je Aktie, sauber gerundet, mit zwei Nachkommastellen. Sie sah aus wie ein Messergebnis. Sie war keins. Wir haben sie entfernt — und ersetzen sie jetzt durch etwas, das anders funktioniert.

Eine App, die einen Unternehmenswert ausgibt, tut so, als kenne sie die Zukunft. Sie kennt sie nicht. Was sie kennt, sind Vergangenheitsdaten und ein Modell, das jemand mit Annahmen gefüttert hat. Die Annahmen entscheiden über das Ergebnis — und genau die sieht der Nutzer nie.

Bei uns kam dazu, was bei solchen Rechnungen typischerweise schiefgeht: ein Deckel, der Wachstumsannahmen still kappte und das Ergebnis trotzdem als Wert auswies. Eine Stelle, an der Umsatzwachstum und Gewinnwachstum in dieselbe Formel liefen, obwohl es zwei verschiedene Größen sind. Zweitnotierungen, bei denen Kurs und Bilanz in verschiedenen Währungen geführt werden. Jeder Fehler für sich klein — zusammen ergaben sie Zahlen, hinter die sich niemand stellen konnte. Also haben wir das Feature abgeschaltet, statt es zu flicken.

Die neue Funktion heißt „Deine Wertspanne“ und steht in der Aktienansicht, sichtbar als Beta. Du stellst vier Annahmen ein: wie viel frei verfügbares Geld je Aktie das Unternehmen im Jahr erwirtschaftet, wie stark das über zehn Jahre wachsen soll, welche Rendite du für dein eingesetztes Geld mindestens verlangst, und was danach dauerhaft bleibt. MoatLens legt dir Startwerte hin, die aus den veröffentlichten Zahlen dieses Unternehmens stammen, und schreibt an jede Zeile dazu, woher sie kommt. Ändern darfst du jede.

Heraus kommt keine Zahl, sondern eine Spanne: ein vorsichtiges, ein mittiges und ein optimistisches Ende. Das ist kein Schönheitsfehler, sondern die Aussage. Wer eine Punktzahl nennt, behauptet eine Genauigkeit, die eine Schätzung nicht hat.

Unter jedem Regler steht, was er bewirkt — in deinen eigenen Zahlen, nicht abstrakt. Daneben steht, wie schwer diese Annahme im Vergleich zu den anderen wiegt. Bei den meisten Unternehmen bewegt die erforderliche Rendite das Ergebnis am stärksten, deutlich vor dem Cashflow und dem Wachstum.

Sieh dir das genau an. Die erforderliche Rendite ist die einzige der vier Annahmen, für die es nichts nachzuschlagen gibt. Beim Cashflow und beim Wachstum steht die Historie des Unternehmens darunter. Bei der Abzinsung steht: Dafür gibt es nichts nachzuschlagen — dieser Wert ist reine Erwartung. Deine. Und genau die bewegt das Ergebnis am stärksten.

Das ist die unbequeme Wahrheit über jede Unternehmensbewertung, und sie steht bei uns jetzt sichtbar auf dem Bildschirm statt im Kleingedruckten: Die Zahl ist zum größten Teil deine eigene Erwartung. Wer das weiß, behandelt sie als Anhaltspunkt. Wer es nicht weiß, hält sie für einen Befund.

Drei Dinge kann das, was eine vorgegebene Zahl nicht kann. Es ist nachvollziehbar: Jede Formel liegt offen, jeder Startwert nennt seine Quelle, und du kannst einem Ergebnis widersprechen, indem du die Annahme änderst, mit der du nicht einverstanden bist. Es nimmt dein Wissen auf: Wenn du eine Branche kennst und weißt, dass ein letztes Jahr untypisch war, kannst du das einsetzen. Und es wird mit der Zeit wertvoll: Gespeichert werden nur deine Annahmen, nie das Ergebnis. In einem Jahr kannst du nachlesen, was du damals angenommen hattest, und siehst, was davon eingetroffen ist. Das ist die einzige Rückmeldung, die es zu einer Wertschätzung überhaupt geben kann — und sie macht dich beim nächsten Mal besser.

Erfahrene Investoren machen diese Überschlagsrechnung ohnehin, bevor sie ein Unternehmen ernst nehmen — meist auf Papier, in ein paar Minuten, mit groben Annahmen. Wir bauen keinen Ersatz dafür. Wir bauen das Papier.

Was die Funktion nicht tut: Sie fällt kein Urteil über den Kurs. Keine Ampel, keine Farbskala, kein Prozentabstand zum Kurs, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Sie stellt deine Spanne und den letzten Kurs nebeneinander und beschreibt, wo er liegt — mehr nicht. Den Schluss ziehst du.

Und wo die Daten nicht tragen, rechnet sie nicht. Bei einem Unternehmen in der Verlustphase bleiben die Felder leer und sagen warum. Bei einem Zweitlisting mit gemischten Währungen erscheint die Funktion gar nicht erst. Lieber keine Zahl als eine, auf die man sich nicht verlassen kann — das war der Grund, den alten Wert zu entfernen, und es bleibt der Maßstab.

Die Funktion ist neu und trägt ein Beta-Zeichen. Sie kann sich ändern, und wir lernen an ihr weiter. Wenn dir etwas unklar, falsch oder umständlich vorkommt: Schreib uns. Genau dafür ist sie zuerst als Beta draußen.

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